Coleman Hawkins
Sie nannten ihn Bean
Geboren am 21. November 1904 in St. Joseph, Missouri, gestorben 1969.
Bereits mit fünf Jahren spielte er Klavier, wenig später dann Cello. Schon mit neun Jahren griff er zum Tenorsaxofon. Am Washburn College, Topeka, studierte er Harmonielehre und Komposition.
1922/23 war er mit Mamie Smith's Jazz Hounds auf Tour, kam nach New York und wurde dort von Fletcher Henderson engagiert, mit dem er im Juni 1923 seinen ersten Schallplatten machte.
In diesem Spitzen-Orchester blieb er zehn Jahre (bis 1934) und begründete dort seinen legendären Ruf als Top-Tenorsaxofonist. Damals stand er mit diesem Instrument allein im Zenith, es sollte noch Jahre dauern, bis Leute wie Lester Young, Chu Berry, Ben Webster oder Dick Wilson aus seinem großen Schatten traten.
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Unter die Haut
Alle Fertigkeiten, die Coleman Hawkins nach und nach aus seinem Instrument herausgezaubert hat, waren Top-Leistungen, die schließlich die Dominanz des Tenorsaxofons im Lead der Jazz-Combos brachten (seit den Endvierzigern). Coleman Hawkins hat einen Ton entwickelt, der vollblütige Wärme mit rauem Biss verbindet, er hat einen Sound kreiert, der dem Publikum unter die Haut geht. Das Tenorsaxofon, sagt man, kommt der menschlichen Stimme am nächsten. Diese spezielle Eigenschaft hat Coleman Hawkins als erster herausgehört und für den Jazz kultiviert, indem er mit diesem Instrument nicht nur Töne, sondern auch Emotionen erzeugte, nicht zuletzt die erotischen.
Auch in der Phrasierung oder Melodik war er genial und seiner Zeit weit voraus. In den 30er Jahren war er unangefochten die Nummer Eins und der Maßstab für alle.
Crazy rhythm
1934 verließ er Henderson und ging nach Europa. In England arbeitete er zunächst für Jack Hylton, machte sich dann aber selbständig und tourte durch England, Frankreich, Holland, die Schweiz, Dänemark und Schweden. In diesen vier Jahren machte er etliche bemerkenswerte Schallplatten, mit Benny Carter zum Beispiel, Arthur Briggs oder Django Reinhard.
Erst nach knapp fünf Jahren, Im Juli 1939, stieg er in den Vereinigten Staaten vom Dampfer und meldete sich mit dem Schallplatten-Hit Body and Soul zurück, aufgenommen am 11. Oktober 1939 auf Bluebird.
Damit landete er den Knaller seiner Karriere, und die Leute, die ihn schon abgeschrieben und sich um seinen Chefsessel gebalgt hatten, packten ihr Instrument ein, schlichen aus dem Ring. Mit diesem Mega-Hit hatte Coleman Hawkins den Olymp der amerikanischen Wertschätzung bestiegen.
Es war als verlösche ein Stern
Es folgte eine fruchtbare musikalische Periode, worin Coleman Hawkins die kleinen Combos bevorzugte. Sein meist in moderaten Tempi gehaltenes Spiel zeigte ein Harmonieverständnis, das auffallend modern war und im Be Bop weiter entwickelt wurde. Bei schnellen Titeln spielte er agressiv, zupackend und band gern Growl-Effekte ein.
Als der Be Bop neue Maßstäbe setzte, versuchte Coleman Hawkins, diesem Trend zu folgen - er spielte damals viel mit jüngeren Musikern, den Boppern. Doch letztlich war diese Musik nichts für ihn - seine rhythmische Auffassung, der große Ton und das starke Vibrato fügten sich nicht in den modernen Jazz ein. So begann er in den 40ern seinen früheren Platz als Idol der jüngeren Tenorsaxofonisten zu verlieren, und trat, etwa ab 1947, mehr in den Hintergrund.
Colemann Hawkins hat immer eigene Combos gehabt, mit denen er auf Tournee war. Ab 1946 zog er häufig mit Norman Granz' Jazz at the Philharmonic durch die Welt. Dann wurde es etwas ruhiger um ihn. Nach etlichen mageren Jahren trat er dann Ende der 50er erneut ins Rampenlicht.
Coleman Hawkins hat bis zuletzt auf der Bühne gestanden, und viele Jahrzehnte wurde einem glanzvollen Musiker applaudiert, der piekfein daherkam und es ganz nach oben geschafft hatte.
In den 60ern aber begann Coleman Hawkins nachzulassen. Sein Ton fiel ab, weil er nicht mehr die harten Blätter von früher benutzen konnte, der Ansatz kippte schon mal und ließ das Blatt pfeifen, und die Phrasen wurden stereotyper. Diesen Spitzenmusiker, den man immer elegant und modisch gekleidet gesehen hatte, und der seinem gepflegten Geschmack gern Tausende von Dollars geopfert hatte, konnte man nun ungepflegt und alkoholisiert begegnen, schließlich so abgerissen und krank, dass ihn seine Freunde kaum wiedererkannten.
Coleman Hawkins lebt in seiner Musik.