Sidney Bechet

 

Star auf dem Sopransaxofon

 

Geboren am 14. Mai 1897 in New Orleans, gestorben am 14. Mai 1959 in Paris. Mit sechs  borgte er sich die Klarinette seines Bruders Leonhard und fing sie zu spielen an, mit acht nahm er dann Stunden bei seinem Förderer George Baquet, der damals Klarinettist in John Robichaux's Orchestra war. Etwa um diese Zeit saß Sidney Bechet bereits in Freddy Keppard's Band, und mit siebzehn hatte er schon bei Jack Carey, Buddy Petit und bei der berühmten Eagle Band aus New Orleans gespielt, wohin er auf Empfehlung des namhaften New Orleans-Kornettisten Bunk Johnson gekommen war (1912).

 

 

Von 1914 bis 1916 tourte er mit Clarence Williams und Louis Wade durch Texas und andere Südstaaten. 1916, wieder in New Orleans, arbeitete er in King Oliver's Olympia Band, bevor er nach Chicago zog, um bei Tony Jackson, Freddy Keppard und anderen zu spielen. Ende 1919, nachdem er einige Monate  in New York gejobbt hatte, gelangte er mit dem Will Marion Cook's Southern Sycopated Orchestra nach Europa.  In London hörte ihn der Schweizer Dirigent Ernest Ansermet und schrieb einen begeisterten Artikel über ihn und das Orchester. So war der 23jährige Klarinettist der erste Jazzmusiker überhaupt,  über den eine Kritik veröffentlicht worden ist.

 

 

 

In London kaufte er sich sein erstes Sopransaxofon. Dieses eigenwillige Instrument faszinierte ihn, er spielte es mit Vorliebe, und so wurde es sein Hauptinstrument.

 

Sidney Bechet lernte dann Paris kennen, wo er bei Benny Peyton spielte. 1921 kam er zurück nach New York, wo er seine ersten Schallplatten einspielte, die berühmten Aufnahmen mit  Clarence William's Blue Five, denen weitere mit Mamie Smith, Rosetta Crawford, Sara Martin, Sippie Wallace und anderen Blues-Sängerinnen folgten, gewöhnlich unter der Leitung von Clarence Williams und manchmal mit Instrumentalgruppen, denen auch der junge Louis Armstrong angehört hat. 1925 spielte Sidney Bechet bei Duke Ellington, der ihn sehr bewunderte. Es waren die Jahre, wo er die Klarinette bei Seite zu legen und das Sopransaxofon  zu blasen begann.

 Er reiste ein zweites Mal durch Europa, dieses Mal mit der Black Revue, worin Josephine Baker ihr erstes Europa-Debut gab. Mit Tommy Ladnier war er  in Moskau, 1927 leitete Sidney Bechet dann die Showband  einer neuen Revue-Version. 1928 schloss er sich in Paris  Noble Sissle's Band an.Mit Noble Sissle kam er zurück nach New York, dem er 1930 erneut nach Europa folgte und mit dem er in Frankreich (1930) und Berlin (1931) gastierte. Dem folgte die erste Zusammenarbeit mit Tommy Ladnier (1932/33) in New York.

1933/34 waren schwere Jahre, und  Sidney Bechet zog sich aus dem Musikleben zurück und betrieb ein Schneidergeschäft in New York City.

Es folgten neue Tourneen mit Noble Sissle (1934-1938). 1938/39 begann Sidney Bechet, sich mehr den älteren Jazzstilen zu widmen. Dies machte den französischen Jazzkritiker Hughes Panassié auf ihn aufmerksam, der ihm zu etlichen Plattenaufnahmen verhalf, unter anderen wieder mit Tommy Ladnier.

Seine wichtigsten Plattenaufnahmen fallen in die Periode zwischen 1938 und 1949, einige auf der Klarinette, die meisten auf dem Sopransaxofon. Es sind Aufnahmen mit Jelly Roll Morton dabei (1939), Louis Armstrong (1940), Muggsy Spanier (1940), Bunk Johnson (1945) oder Albert Nicholas (1946). Zahllose Platten erschienen unter seinem eigenen Namen.

 

Doch irgendwie war Sidney Bechet enttäuscht vom amerikanischen Publikum, wo er, wie er meinte,  nicht immer die angemessenen Engagements und Orchester fand. So zog er nach Frankreich (1949), und lediglich zwei kurze Tourneen (1950 und 1953) führten ihn nach Amerika zurück. In Frankreich war er ein berühmter Mann, und die Bands und Veranstalter rissen sich um den Kreolen aus New Orleans, der das ausgefallene Sopransaxofon so vollendet blasen konnte.

 

 

In gewisser Hinsicht war Sidney Bechet Einzelgänger. Niemand außer ihm hat das Sopransaxofon zum Hauptinstrument erhoben, und sein Spiel wich wesentlich von der New Orleans-Tradition ab, worin er groß geworden war. Er hatte einen vollen Ton und ein derbes Vibrato, und in schnellen Tempi soviel Drive und leidenschaftliche Kraft, dass es die natürlichste Sache der Welt schien, wenn ihm der Lead zufiel. In langsamen Titel war sein Spiel eher verhalten, einfach, aber von großer Melodik und Schönheit. Das Repertoire Sidney Bechets stammte aus der Klassik des Jazz, und, besonders  in den fünfziger Jahren, war es durch kreolische Melodien und seine eingängigen Eigenkompositionen  (Petite Fleur) bereichert.

 

Sidney Bechet ist aus dem vergangenen Jazz-Jahrhundert nicht wegzudenken, schon gar nicht aus der europäischen Revival-Welle.

 

Sidney Bechet lebt in seiner Musik.

 

Danke, Sidney Bechet!