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Papier ist geduldig
Wenn du Papier hast und etwas schreiben willst, eine Story, einen Bericht oder einen simplen Brief, passiert es dir, dass du null Ideen hast. Ein andermal kannst du dich nicht retten vor Einfällen, aber es ist kein Papier da. Ideen ducken sich hinter vielen öden Inseln, aber dann, wenn du es nicht erwartest, rennen sie auf dich zu und fuchteln mit den Armen.
So ist das. Manchmal gelingt die Story erst, wenn sie im Kopf fertig ist. Dann wieder findet man den Dreh erst unterwegs. Mal so, mal so.
Und wenn die Story fertig ist? Du denkst, dass sich dann die Agenturen und Verlage darauf stürzen. Hmmm! .. so ist das nicht. In Wahrheit verschanzt sich der Verleger in seinen schalldichten Räumen. Er kriegt nichts mit vom Unmut der Lektoren, wenn sie sich die Haare raufen über diese tausend Birnen, die ein Buch schreiben und es wagen, es anzubieten. Schon wieder ein Manuskript! - ihnen schmerzen die Geschwüre. Sie haben Container aufgestellt, geräumige Dinger, wo hinein man die Manuskripte klatschen hört.
Das alles weißt du nicht. Du bist sicher, einen Bestseller geschrieben zu haben. Jeden Moment kann das Telefon klingeln, du tigerst über den Teppich und belauerst den Apparat. Aber es tut sich nichts, kein Anruf, kein Brief, keine E-Mail. Nach fruchtlosen Monaten beschaffst du dir die Durchwahl eines Lektoren, nimmst dir ein Herz, rufst ihn an. Er hört dich gnädig an, kennt dein Manuskript nicht, macht dir Mut, fordert die Unterlagen noch einmal an. Du schickst sie ab, dir fällt ein Stein vom Herzen. Wenig später hast du die Antwort. Dein Stil sei abgehackt und sprunghaft, schreibt der Lektor, Thema und Handlung seien banal, du hättest eine Klamotte geliefert. Man hält dich für eine Birne, das schreibt der Lektor dir nicht, du liest es zwischen den Zeilen. Wenn der Container den Autoren nicht abschreckt, du wirst es erleben, dann schützt sich der Lektor mit Grobheiten. Dieser Ochse hat sein Fett weg, der Lektor reibt sich die Hände, der kommt nicht wieder.
Die Folge ist, dass Manuskripte nur noch vom Autoren gelesen werden. Schließlich verrotten sie im Speicher seines Rechners.
Manchmal aber gerät ein Manuskript in falsche Hände, und den Autoren erreicht ein Verlagsvertrag. So etwas gibt es wirklich, das kannst du mir glauben.
So kommt es, dass unendlich viele Bücher nicht gedruckt werden. Ein deutscher Autor, der wirklich mal eins auf den Markt bringt, legt sein Autorenexemplar in die Vitrine, bettet es auf Samt, zeigt das Kleinod gelegentlich seinen Freunden.
Ausländischen Autoren, so wird geflüstert, geht es besser auf dem deutschen Buchmarkt, dort halten sie rund achtzig Prozent. Setzt man die Weltbevölkerung ins Verhältnis zur deutschen, so rechnen Lektoren, stünden den ausländischen Autoren eigentlich rund neunundneunzig Prozent zu - was klagen sie also, die deutschen Autoren?.
Nun ja - die Lektorate schauen gern in die amerikanischen oder britischen Buchcharts, ein Blick genügt, schon wissen sie Bescheid. Deutsche Autoren drängeln immer, sind ausgesprochen lästig. Nichts wäre falscher, als das Manuskript irgend so einer Birne zu studieren oder gutzuheißen.
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