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Oskar Friedrich Rudolf von Steegen, geboren am 23. November 1873 in Klein Steegen, gestorben am 11. November 1918 in Klein Steegen, ist mein Großvater. Er übernahm 1897 das Gut Klein Steegen. Zu Klein Steegen gehörten die Vorwerke Louisenhof, Sophienhof, Wilhelmsberg, und die Grundmühle Finken. 1871 war die Besitzung Klein-Steegen 1.742 Hektar groß. Hinzu kam Besitz in Guttenfeld.
Am 16. Mai 1903 heiratete er in Dumröse (Bornzin, Pommern) Susanne Klara Magdalena von Zitzewitz, geboren am 07.Mai 1878 in Dumröse, gestorben am 02.April 1945 in Labüssow (Pommern). . Oskar von Steegen Klein Steegen starb bereits mit knapp 45 Jahren an einem Blutsturz, der ihn nach einem Ausritt noch im Sattel traf.
Man sagt über ihn, er sei stark im Willen und Wirken gewesen, stark auch in seinen Zuneigungen und Antipathien. Er war Menschenkenner, eine Eigenschaft, die der betrieblichen Personalwahl zu Gute kam. Sein glänzendes Gedächtnis wurde bewundert, Man erzählte von ihm, daß er, aus dem Stehgreif, gedichtete Tischreden auf seine Gäste zu halten pflegte. Oskar von Steegen war konservativ und politisch engagiert. Seine Verehrung für den Fürsten Otto von Bismarck ging so weit, dass er seinem ältesten Sohn den Vornamen des Staatsmannes gab (Otto Oskar). Oskar von Steegen war ein Patriarch, und sein Hang zur Selbstdarstellung nicht zu übersehen: Er pflegte im Vierergespann über Land zu fahren, gezogen von den vier Tigerhengsten Treff, Pique, Coeur und Caro, wasAufsehen erregte.
Er liebte die Natur, besonders den Wald mit seinem Zauber und seinen Geheimnissen. Sein Lieblingsbaum war die Eiche, die er zu Tausenden pflanzen ließ. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Klein Steeger Wald, wie schon in den Jahrzehnten davor, von der Nonnenraupe heimgesucht. Diese Schädlinge waren von anhaltenden Nordwestwinden von Schweden über die Ostsee getrieben worden und traten im nördlichen Ostpreußen in Massen auf. Die Nonnenraupen richteten in den ältesten und wertvollsten Nadelholzbeständen, vor allem im Hinterwald, erhebliche Schäden an. 40.000 Festmeter Holz mussten geschlagen werden. In den mit Laubholz gemischten Beständen hielten sich die Schäden in Grenzen. Oskar von Steegen sorgte dafür, dass die reinen Fichtenbestände verschwanden und eine Mischung von Nadel- und Laubholz an ihre Stelle trat. Eine andere Katastrophe traf den Wald durch Windbruch (ein dreitägiger heftiger Schneesturm fällte im Februar 1918 19.000 Festmeter Fichte). Zum Abtransport des Holzes ließ der Gutsherr damals eine Kleinbahn durch den großen Wald bauen, die er mit einer Rampe an die Reichsbahn Sangnitten-Arnstein anschließen ließ. Eine Motorlok mit eisernen Loren bewältigte rasch den Abtransport des Schadholzes. So konnte der Wald vor den Borkenkäfern gerettet werden, die das Schadholz in Massen befallen hatten.
In den Jahren 1902-1903 ließ er ein Rotwildgatter errichten, das rund 4.000 Morgen umfasste, den Teil Klein Steegen's nördlich der Chaussee einschließlich Louisenhofs, bis an den Sanger Weg. Das Gatter wurde aus imprägnierten Fichtenpfählen und Spanndrähten 2 Meter 20 hoch errichtet. Die züchterische Überlegung, bei Einführung einer neuen Tierart die ersten Exemplare aus klimatisch raueren Gebieten zu holen, veranlasste ihn, zwei junge Hirsche und 5 Hirschkühe aus Spala, dem Hofjagdrevier des russischen Zaren Nikolaus, zu importieren. Später wurde zweimal Wild aus Rominten zur Blutauffrischung zugeführt. Das Rotwild gedieh im Revier Klein Steegen, die Geweihe wurden stark. Das Gatter hat den Rotwildbestand von rund 120 Stück bis 1920 halten können. Dann verfiel das Gatter, weil eine Erneuerung zu kostspielig war. Das Rotwild verschwand aus dem Forst Klein Steegen, kehrte aber 1925 in einzelnen Stücken in freier Wildbahn zurück, zugleich mit dem ersten Schwarzwild. Oskar von Steegen stand im Ruf, den gesamten Rotwildbestand der Kreise Preußisch Eylau und Heiligenbeil begründet zu haben.
Seit 1909 hatte Oskar vier Güter zu bewirtschaften: Klein Steegen, Eichholz, sowie Wilknitt und Hasselpusch, die beiden Güter seines verstorbenen jüngeren Bruders Friedrich von Steegen (26. Oktober 1878 bis 18. April 1909). Oskar wirtschaftete mit guten Erfolgen, weil er ein tatkräftiger Unternehmer war, der sich als einer der Ersten der neuen Techniken bediente. Telefon gab es in Klein Steegen bereits seit 1901, 1912 wurde im Gutshaus elektrisches Licht gelegt. .
Oskar von Steegen hatte nach dem Abitur ein Jurastudium in Heidelberg aufgenommen und war bei den Saxoborussen aktiv. Er diente ein Jahr beim Kürassier-Regiment 3.
Oskar von Steegen gelang es, den Wert des Familienbesitzes zu vervielfachen. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen in Klein Steegen wurden drainiert, der nasse Wald durch Vorfluter entwässert und durch Wegebau erschlossen (Lange Linie, Herrenweg, Russenweg). Oberteich, Sarger- und Neuer Teich, die Ententeiche, die Delas, Rohrwiese, fauler Teich, Guttenfelder Teich, und das große Hochmoor am Kirchenwald wurden abgelassen und in Weideflächen verwandelt, als Futterbasis für eine intensive Rinder- und Pferdezucht. In den restlichen Teichen blieb die Fischzucht ein wesentlicher Betriebsfaktor, es war alljährlich ein großer Tag, wenn sich nach dem Ablassen der Teiche an der Weißen Brücke (bei der Chaussee nach Blumstein) viele Hunderte von schweren Karpfen Rücken an Rücken stauten, die dort direkt in Fässer verladen und nach Königsberg geliefert wurden.
Oskar von Steegen hat sich als Bauherr einen Namen gemacht, es entstanden moderne Wirtschafts- und Wohngebäude: Kuhstall, die Stallungen für Kutsch-, Reit- und Ackerpferde; die Hochfahrtscheune wurde 1915 bis 1916 neu errichtet; erbaut wurden das Forsthaus Hubertus, das Kavalierhaus, das Jagdschlösschen am Grabellsee bei Wilhelmsberg, und das Waldvorwerk Waldheil.
1905 nahm Oskar an einer polaren Jagdexpedition teil und erlegte zwei Eisbären. Einen Eisbären hatte man präparieren lassen, er stand hoch aufgerichtet in der oberen Diele im Gutshaus Klein Steegen. Zu Lebzeiten von Friedrich von Steegen stand dieser Eisbär in Wilknitt, ebenfalls in der oberen Diele.
Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges führte Oskar von Steegen als Rittmeister der Reserve eine Schwadron seines Königsberger Kürassier-Regiments 3. Zunächst wurde das Regiment an der Ostgrenze der Provinz Ostpreußen, bei Schirwindt, zur Aufklärung und Sicherung eingesetzt. Man verlieh ihm das Eiserne Kreuz. In Klein-Steegen sah man mit wachsender Sorge das Herannahen zweier russischer Armeen. Die drei Kinder wurden Mitte August nach Dumroese (Pommern) gebracht, die Wertsachen wurden vergraben beziehungsweise in einem der Teiche versenkt. Der über siebzigjährige Fritz Krieger aus Königsberg, Schwiegersohn Carl-Friedrich Müllers, übernahm den männlichen Schutz des Hauses. Flüchtlingstrecks aus dem Osten der Provinz rastetenen auf dem Gut, und durch Fahrlässigkeit Fahrlässigkeit beim Kaffeekochen brannten an der Ostseite des Hofes die zusammenhängenden Stallgebäude nieder. Das Vieh war zum Glück auf der Weide und die Pferde konnten gerettet werden. Russische Truppenspitzen sind damals bis in den Wald Klein Steegens vorgedrungen, wie durch ein Wunder blieben Gut und Vorwerke von ihnen verschont.
Im Herbst 1914 gab Oskar die Schwadron ab und übernahm ein Kommando in Tilsit. Im nächsten Jahr (1915) übernahm er die Bahnhofskommandantur in Lötzen, damals Sitz des Armeeoberkommandos Hindenburg. Später erhielt er die Bahnhofskommandantur in Jelowska Kreis Dünaburg zugewiesen, die er bis zum Ende des Krieges behielt. Der Zusammenbruch vom 09. November 1918 mit all seinen katastrophalen Folgen überraschte ihn während eines Krankenurlaubs in Klein Steegen. Nur zwei Tage später, am 11. November 1918, ist er, erst fünfundvierzig Jahre alt, unerwartet einem Blutsturz erlegen.
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